Neuromuskuläres Training (NEMEX) bei Hüft- und Kniearthrose. Zehn Grundübungen, jede mit vier Schwierigkeitsstufen zum stufenweisen Auf- und Absteigen.
Jede Einheit folgt dem gleichen Muster: Aufwärmen, Übungszirkel, Cool-down.
Nicht Last oder Wiederholungszahl steuern die Belastung, sondern die Bewegungsqualität. Trainiert wird die funktionelle Beinachse: Rumpf, Becken, Knie und Fuß in einer Linie, ohne dass das Knie nach innen kippt oder das Becken absinkt. Alle Übungen sind überwiegend geschlossene Kette und alltagsnah.
Die nächsthöhere Stufe wird erst freigegeben, wenn die aktuelle Stufe mit guter Kontrolle und sauberer Beinachse ausgeführt wird. Progrediert wird entlang dieser Achsen, Regression ist der gleiche Weg zurück:
Rückenlage, Fersen auf dem Gymnastikball. Das Becken kontrolliert anheben, bis Rumpf und Oberschenkel eine Linie bilden, ohne ins Hohlkreuz zu fallen.
Stufe 1: Beide Fersen auf dem Ball, kurzer Hebel (Knie gebeugt).
Stufe 2: Fersen auf dem Ball, langer Hebel (Beine gestreckter).
Stufe 3: Einbeiniges Beckenheben mit stabiler Beckenachse.
Stufe 4: Arme vor der Brust verschränkt, ein- oder beidbeinig.
Optional, meist erst Woche 7 bis 8. Rückenlage, Waden auf dem Ball. Oberkörper kontrolliert einrollen, kein Ruckeln aus dem Nacken.
Stufe 1: Arme nach vorn gestreckt, Waden auf dem Ball.
Stufe 2: Arme vor der Brust verschränkt.
Stufe 3: Hände locker im Nacken.
Stufe 4: Zusätzlich mit Handgewichten.
Gewicht auf dem Standbein, das andere Bein auf einer Gleitmatte kontrolliert nach hinten schieben. Knie bleibt über dem Fuß, kein Einknicken nach innen.
Stufe 1: Einbeinige Belastung, Gleiten nach hinten auf stabilem Boden.
Stufe 2: Gleiche Bewegung auf instabilem Untergrund.
Stufe 3: Aktiver Schritt vorwärts mit großem Bewegungsausmaß.
Stufe 4: Schritt vorwärts zusätzlich mit Handgewichten.
Breiter Stand, Gewicht seitlich auf ein gebeugtes Bein verlagern, das andere Bein bleibt gestreckt. Oberkörper aufrecht, Knie zeigt in Fußrichtung.
Stufe 1: Seitliches Gleiten auf stabilem Untergrund.
Stufe 2: Seitliches Gleiten auf instabilem Untergrund.
Stufe 3: Aktiver Seitschritt mit vollem Bewegungsausmaß.
Stufe 4: Seitschritt gegen ein Widerstandsband.
Aus dem Sitz kontrolliert aufstehen und wieder absetzen. Oberkörper leicht nach vorn, Fersen bleiben am Boden, Knie über den Füßen.
Stufe 1: Beidbeinig mit Handunterstützung.
Stufe 2: Beidbeinig ohne Unterstützung.
Stufe 3: Betonung auf einem Bein (hinteres Bein trägt mehr).
Stufe 4: Mit Handgewichten, Ellenbogen 90 Grad.
Kontrolliert auf ein Steppbrett auf- und wieder absteigen. Der ganze Fuß steht auf der Stufe, das Becken bleibt gerade, kein Wegkippen zur Seite.
Stufe 1: Niedriges Steppbrett.
Stufe 2: Mittlere Stufenhöhe.
Stufe 3: Hohe Stufe.
Stufe 4: Alternierend im Cross-step-Muster.
Aufrechter Stand, ein Bein gegen den Bandwiderstand kontrolliert zur Seite führen und zurück. Rumpf bleibt stabil, kein Ausweichen zur Gegenseite.
Stufe 1: Stand, leichtes Band.
Stufe 2: Stand, schweres Band.
Stufe 3: Ausführung auf instabilem Untergrund.
Stufe 4: Ringband um beide Knöchel (beidseitige Aktivierung).
Das Band ist seitlich fixiert. Das Bein gegen den Zug kontrolliert zur Körpermitte führen und langsam zurücklassen. Becken bleibt gerade.
Stufe 1: Stand, leichtes Band.
Stufe 2: Stand, mittleres Band.
Stufe 3: Stand, schweres Band.
Stufe 4: Schweres Band auf instabilem Untergrund.
Gegen den Bandwiderstand die Ferse Richtung Gesäß führen (Kniebeugung) und kontrolliert zurücklassen. Oberschenkel bleibt ruhig, kein Hohlkreuz.
Stufe 1: Sitz oder Stand, leichtes Band.
Stufe 2: Mittleres Band.
Stufe 3: Schweres Band.
Stufe 4: Extraschweres Band.
Den Unterschenkel gegen den Bandwiderstand nach vorn strecken und kontrolliert zurückführen. Bewegung nur aus dem Knie, Oberschenkel bleibt aufliegend.
Stufe 1: Stand, Band unter dem Fuß.
Stufe 2: Sitz, leichtes Band.
Stufe 3: Sitz, mittleres Band.
Stufe 4: Sitz, schweres Band.
GLA:D (Good Life with osteoArthritis: Denmark) ist ein evidenzbasiertes Behandlungsprogramm für Knie- und Hüftarthrose, das 2013 an der Universität Süddänemark gestartet wurde. Es ist eine Non-Profit-Initiative und eine geschützte Marke, damit die Behandlungsqualität standardisiert bleibt: Wer GLA:D anbietet, verpflichtet sich, nach dem Protokoll zu arbeiten und Daten ins Register einzugeben. Die Grundidee ist, die Leitlinienempfehlung tatsächlich umzusetzen, wonach Patientenschulung und Bewegung die Erstlinientherapie der Arthrose sind, nicht Medikamente oder eine vorschnelle Operation. Das Programm wird ausschließlich von zertifizierten Physiotherapeuten geliefert und ist heute international verbreitet, unter anderem in Kanada, Australien und Deutschland.
Eine zweitägige Fortbildung qualifiziert Physiotherapeuten, Arthrose leitliniengerecht zu diagnostizieren und zu behandeln. Danach ist man zertifizierter GLA:D Therapeut, erhält Zugang zu Schulungsmaterial und Manualen und wird gelistet.
Strukturierte Patientenschulung (Edukation) plus das neuromuskuläre Trainingsprogramm (NEMEX). Ziel sind Wissen über die Erkrankung, aktiver Selbstumgang und ein sicher dosiertes, alltagsnahes Training.
Alle Ergebnisse werden zu drei Zeitpunkten erfasst: zu Beginn, nach 3 und nach 12 Monaten. Das erlaubt Qualitätssicherung, Benchmarking der eigenen Ergebnisse und jährliche öffentliche Berichte.
In Deutschland umfasst das Programm insgesamt 18 Einheiten: 2 strukturierte Patientenschulungen zur Aufklärung über Ursachen und aktiven Umgang mit Arthrose, 12 neuromuskuläre Trainingseinheiten à 60 Minuten als Gruppentraining mit maximal 5 Teilnehmenden, sowie 3 individuelle Einzelsitzungen. Nach dem Programm werden die Patienten angeleitet, eigenständig aktiv zu bleiben, entweder in der Praxis oder wohnortnah, denn der Langzeiteffekt hängt an der Fortführung. Beim 3-Monats-Termin werden individuelle Strategien dafür besprochen. Zum Vergleich: Das dänische Original arbeitet mit 3 Schulungseinheiten (zwei durch den Therapeuten, eine durch einen erfahrenen Patienten) und 12 Trainingseinheiten über 6 Wochen in etwas größeren Gruppen. Der eigentliche Übungsteil ist in beiden Fällen das NEMEX-Programm, das du im Reiter Übungen findest.
Die belastbarste Grundlage sind die großen Registerauswertungen. In der dänischen Auswertung von 9.825 Patienten (Skou und Roos, 2017) besserte sich die Schmerzintensität auf einer 0 bis 100 Skala um 12,4 Punkte nach 3 Monaten und 13,7 Punkte nach 12 Monaten, die gelenkbezogene Lebensqualität (KOOS/HOOS) um 5,4 bzw. 9,4 Punkte. Die Zahl der Patienten, die Schmerzmittel nahmen, sank bei Kniearthrose von 55,9 auf 36,7 Prozent, bei Hüftarthrose von 58,1 auf 44,7 Prozent. Objektiv verbesserte sich der 30-Sekunden-Stuhltest um 2,3 Wiederholungen und der 40-Meter-Gehtest um 2,5 Sekunden. Krankschreibungen gingen nach 12 Monaten von 24,3 auf 14,9 Prozent zurück. Eine länderübergreifende Analyse aus Dänemark, Kanada und Australien mit 28.370 Patienten (Roos und Kollegen, 2021) bestätigt das Bild: 26 bis 33 Prozent weniger Schmerz, 8 bis 12 Prozent schnelleres Gehen, 18 bis 30 Prozent bessere Aufstehleistung und 12 bis 26 Prozent bessere Lebensqualität, wobei 43 bis 47 Prozent eine klinisch relevante Schmerzlinderung erreichten.
Ein großer Teil der Wirkung kommt aus der Edukation. Sie räumt mit verbreiteten Fehlvorstellungen auf, die Patienten von Bewegung abhalten.
Eingeschlossen werden Menschen mit Knie- oder Hüftbeschwerden im Sinne einer Arthrose, die deswegen Kontakt zum Gesundheitssystem hatten. Ein Röntgenbild ist für die Teilnahme nicht erforderlich. Ausgeschlossen wird, wenn eine andere Ursache vorliegt (etwa Tumor, entzündliche Gelenkerkrankung oder Folgen einer Hüftfraktur) oder wenn andere Beschwerden im Vordergrund stehen, zum Beispiel eine generalisierte Schmerzerkrankung oder Fibromyalgie. Grundsätzlich profitieren alle Schweregrade, und auch vor einer geplanten Operation ist das Training sinnvoll, weil es die Erholung danach beschleunigt.
In Deutschland wird GLA:D von der Deutsche Arzt Management GmbH gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Physiotherapie (Physio Deutschland) getragen. Die Abrechnung läuft nicht über den klassischen Heilmittelkatalog, sondern über Selektivverträge nach Paragraf 140a SGB V, die die DAMG mit den Krankenkassen abwickelt. Für die Praxis heißt das: mindestens ein zertifizierter Therapeut, ein Trainingsraum für bis zu 5 Personen und Kleingeräte wie Gymnastikball, Hanteln und Stühle. Eine KGG-Zulassung ist ausdrücklich nicht erforderlich. Das ist für uns strategisch interessant, weil GLA:D damit ein abrechenbarer Baustein neben dem Heilmittelgeschäft sein kann, ohne die üblichen Zulassungshürden. Als Einschätzung markiert: Ob sich das je Selektivvertrag und Kasse wirtschaftlich lohnt, hängt an der konkreten Vergütung, das solltest du vor einem Einstieg mit den Vertragskonditionen gegenrechnen.
Ein großer Teil der Wirkung von GLA:D entsteht nicht auf der Trainingsmatte, sondern im Kopf. Wer versteht, was Arthrose wirklich ist und was hilft, bewegt sich sicherer, hat weniger Angst vor Belastung und bleibt langfristig dran. Die folgenden Inhalte fassen die Patientenschulung ausführlich zusammen, gegliedert wie die beiden Schulungseinheiten. Sie sind bewusst in Sie-Form geschrieben, damit sie direkt an Patienten weitergegeben werden können. Es handelt sich um eine eigenständige, evidenzbasierte Übersicht, nicht um die geschützten GLA:D-Originalfolien.
Arthrose betrifft das ganze Gelenk, nicht nur den Knorpel, also auch Kapsel, Bänder, Muskeln und Knochen. Sie ist eine lebenslange Erkrankung und betrifft jüngere wie ältere Menschen. Der verbreitete Satz vom reinen Verschleiß ist irreführend und hat viele Menschen von Bewegung abgehalten. Knorpel ist kein Reifen, der sich abfährt, sondern lebendiges Gewebe, das moderate Belastung braucht, um gesund zu bleiben. Stellen Sie sich Knorpel wie einen Schwamm vor: Unter Belastung wird Flüssigkeit herausgedrückt, bei Entlastung saugt er sie mit Nährstoffen wieder auf. Genau deshalb schadet Bewegung dem Knorpel nicht, sondern ernährt ihn. Arthrose ist zudem häufig: Etwa 30 Prozent der Menschen ab 45 Jahren berichten über Knie- oder Hüftschmerzen.
Ein Gelenk ist ein fein abgestimmtes System aus mehreren Bauteilen:
Der Knorpel selbst hat keine Nerven, der Schmerz kann also gar nicht aus ihm kommen. Er entsteht in Knochen, Bändern, Kapsel und Sehnen rund um das Gelenk. Eine gewisse Entzündung gehört zur Arthrose dazu, ist bei der chronischen Form aber meist nicht hilfreich, sondern hält Schmerz und Schwellung aufrecht. Genau hier setzt Bewegung an, denn regelmäßiges Training senkt nachweislich die lokale Entzündung im Gelenk.
Der Zusammenhang zwischen dem, was auf dem Bild zu sehen ist, und den tatsächlichen Beschwerden ist überraschend schwach. Etwa die Hälfte der Menschen mit Schmerzen zeigt keine wesentlichen Bildveränderungen, und umgekehrt hat rund die Hälfte mit deutlichen Bildveränderungen keine Beschwerden. Für die Diagnose reichen deshalb Beschwerdebild und klinische Untersuchung, ein Röntgen ist dafür nicht erforderlich. Das ist wichtig, weil starke Bildbefunde oft unnötig Angst machen und von Bewegung abhalten. Auch Meniskus- und Labrumrisse sind im mittleren und höheren Alter meist frühe Zeichen einer Arthrose und keine isolierte Verletzung. Trainingstherapie wirkt hier gut, und eine Gelenkspiegelung wird von internationalen Leitlinien nicht mehr empfohlen, da selbst Scheinoperationen die gleiche Wirkung zeigten.
Die Beschwerden entwickeln sich meist langsam über Jahre und schwanken: Phasen mit stärkeren Symptomen wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab. Typisch sind:
Der Ort des Schmerzes kann variieren: Knieschmerz sitzt mal vorn, innen, außen oder hinten, Hüftschmerz oft in der Leiste, im Gesäß, im Oberschenkel oder sogar bis zum Knie.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Die Basis gilt für alle und kommt zuerst, die oberen Ebenen erst, wenn die Basis nicht ausreicht.
Zur zweiten Ebene gehört Ehrlichkeit über die Grenzen der Medikamente: Paracetamol ist bei Arthrose praktisch unwirksam, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wirken nur mäßig und haben Risiken für Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System, Opioide sollten gemieden werden, weil ein Nutzenbeleg fehlt und Abhängigkeit droht. Kortisonspritzen bringen keinen Langzeitnutzen, und das Risiko steigt bei wiederholter Anwendung. Hilfsmittel wie gute Schuhe, Bandagen, Tape, Gehstock, TENS oder manuelle Therapie können unterstützen. Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosamin zeigen keinen Vorteil gegenüber Placebo. Eine Operation ist erst sinnvoll, wenn die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Gelenkspiegelung wird nicht mehr empfohlen. Ein Gelenkersatz hilft den meisten, aber 10 bis 20 Prozent bleiben symptomatisch, und der Eingriff ist unumkehrbar. Ein absolviertes Trainingsprogramm vor der Operation verbessert die Vorbereitung und die Erholung danach.
Beides ist wertvoll und ergänzt sich. Körperliche Aktivität ist jede Bewegung, die das Herz schneller schlagen lässt, ob in der Freizeit, im Haushalt oder bei der Arbeit. Trainingstherapie dagegen verfolgt ein bestimmtes Ziel, ist angeleitet, strukturiert, wird systematisch wiederholt und in der Schwierigkeit gesteigert, und sie ist auf die Bedürfnisse bei Arthrose zugeschnitten. Für den Erfolg zählt am Ende beides: das gezielte Training und ein insgesamt aktiver Alltag.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche, praktisch also rund 30 Minuten an 5 Tagen. Das darf in kürzere Einheiten aufgeteilt werden. Ein guter Anhaltspunkt für ausreichende Intensität ist leichtes Schwitzen und etwas beschleunigte Atmung. Dazu kommt Krafttraining der großen Muskelgruppen an mindestens 2 Tagen pro Woche. Schon rund 45 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Woche helfen, die Funktion eines betroffenen Beingelenks zu erhalten oder zu verbessern.
Bewegung wirkt weit über das Gelenk hinaus. Sie senkt den Blutdruck, verbessert die Blutfette und die Insulinempfindlichkeit und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vor. Sie dämpft die chronische, unterschwellige Entzündung im ganzen Körper und zugleich die Entzündung im Gelenk selbst, was Schwellung, Steifigkeit und Schmerz verringert. Über Endorphine, körpereigene Botenstoffe, hebt sie die Stimmung und lindert Schmerz. Insgesamt beugt regelmäßige Bewegung mehr als 35 chronischen Erkrankungen vor. Deshalb ist Training bei Arthrose nie nur Gelenktherapie, sondern immer auch Gesundheitsvorsorge.
Grundsatz: Tägliche Bewegung ist gut und verschlechtert die Arthrose nicht. Gelenkschonende Formen sind besonders geeignet:
Das Training bei GLA:D setzt nicht auf reine Kraft, sondern auf das gute Zusammenspiel von Nerven und Muskeln, also darauf, wie kontrolliert Sie Ihr Gelenk belasten. Es besteht aus vier Bausteinen: der Rumpfstabilität, der richtigen Körperausrichtung, der Muskelkraft und funktionellen Alltagsbewegungen wie Aufstehen und Treppensteigen. Wenn die Beinachse stimmt, das Knie also über dem Fuß bleibt und das Becken stabil ist, verteilt sich die Last günstiger und der Schmerz sinkt. Dieser Ansatz wirkt selbst bei schwerer Arthrose und bei Menschen, die auf eine Gelenkersatz-Operation warten. Die konkreten Übungen mit ihren Steigerungen finden Sie im Reiter Übungen.
Training wirkt wie ein Medikament: nur in der richtigen Dosis. Sinnvoll sind mindestens 12 angeleitete Einheiten über wenigstens 6 Wochen, kürzere Programme wirken nicht ausreichend. Mehr hilft mehr: 12 Wochen sind wirksamer als 6, und 3 bis 4 Einheiten pro Woche bringen mehr als 2. Die Schwierigkeit wird gesteigert, sobald eine Übung sauber gelingt, damit der Reiz erhalten bleibt. Nach den Gruppenstunden geht es eigenständig weiter, im Studio, zu Hause oder in den Alltag eingebaut. Denn die beste Übung ist die, die tatsächlich gemacht wird.
Während des Trainings darf der Schmerz spürbar, aber akzeptabel sein, etwa bis 5 von 10. Wird er stärker, senken Sie die Schwierigkeit, aber hören Sie nicht auf.
Am Tag nach dem Training sollten die Beschwerden wieder auf dem Ausgangsniveau sein. Bleiben sie höher, war es zu viel, und die nächste Einheit wird angepasst.
Wichtig ist der Kernsatz: Schmerz bedeutet nicht Schaden. Ein Muskelkater nach neuen Übungen ist normal, erreicht sein Maximum nach etwa 48 Stunden und verschwindet, sobald die Muskeln kräftiger werden. Auch kurze Schmerzschübe sind häufig und nehmen mit fortgesetztem Training nachweislich ab. Solange die 24-Stunden-Regel eingehalten wird, zeigt keine Studie, dass Training die Arthrose verschlechtert.
Schmerz ist wie ein Alarmsystem im Körper, und wie ein Rauchmelder kann er auch dann anschlagen, wenn kein Feuer da ist. Die Lautstärke des Alarms passt nicht immer zum tatsächlichen Zustand des Gewebes. Akuter Schmerz ist ein sinnvoller Schutz, chronischer Schmerz dagegen ein Daueralarm, der oft nur noch schwach mit dem Ausmaß einer Schädigung zusammenhängt. Wie stark Sie Schmerz empfinden, hängt auch davon ab, wie Rückenmark und Gehirn die Signale verarbeiten. Das Gehirn kann schmerzlindernde Botenstoffe ausschütten, so wirksam wie Morphin, oder unter Anspannung Stresshormone, die den Schmerz verstärken. Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Erwartungen und Stimmung beeinflussen diesen Prozess unmittelbar: Angst und Sorge verstärken Schmerz, Zuversicht lindert ihn.
Schmerz und Einschränkung hängen von vielen Faktoren ab, nicht nur vom Bild im Gelenk. Dazu zählen die körperliche Funktion und Fitness, psychische Faktoren wie Angst, Katastrophisieren oder Niedergeschlagenheit, Überzeugungen und Erwartungen, die Schlafqualität, soziale Unterstützung, der Lebensstil sowie Begleiterkrankungen und Erschöpfung. Diese Erschöpfung ist mehr als Müdigkeit, sie bessert sich durch mehr Fitness und durch Tätigkeiten, die Freude machen und Energie geben. Das erklärt, warum eine Behandlung, die nur auf die Struktur schaut, oft zu kurz greift.
Bleiben Sie in Bewegung, ohne sich zu überlasten. Wechseln Sie regelmäßig die Position und sitzen Sie nicht länger als etwa 20 Minuten am Stück. Vermeiden Sie Humpeln und nutzen Sie lieber eine Gehhilfe, und erhalten Sie die volle Beweglichkeit des Gelenks, um zunehmender Steifigkeit vorzubeugen. Neue Aktivitäten beginnen Sie langsam und dosiert, mit kurzen Einheiten und ruhigem Steigern. Wenn eine Tätigkeit Beschwerden macht, helfen drei Strategien: anpassen (Intensität, Häufigkeit oder Technik ändern), vorübergehend vermeiden, oder durch eine andere Aktivität mit ähnlichem Ziel ersetzen. In einem Schub reduzieren Sie die Belastung, statt ganz aufzuhören, und kehren Sie schrittweise zurück.
Die meisten Teilnehmer erleben weniger Schmerz, ein schnelleres Gehen, einen besseren Umgang mit Alltagsaktivitäten, mehr Lebensqualität, einen geringeren Bedarf an Schmerzmitteln und mehr Zutrauen zu Bewegung. Damit dieser Gewinn bleibt, kommt es auf das Dranbleiben an: weiter in der Gruppe, im Studio oder zu Hause. Ein Nachkontrolltermin hilft, die Fortschritte zu sichern und offene Fragen zu klären. Der wichtigste Satz zum Schluss: Die beste Übung ist die, die tatsächlich gemacht wird.